Allen, die mit Sora Inhalte erstellt, geteilt und eine Community aufgebaut hätten, gelte der Dank des Unternehmens. Offizielle Gründe für die Abschaltung nannte OpenAI zunächst nicht. Was folgte, war eine der unerwarteten Produktentscheidungen der jüngeren KI-Geschichte.
Was Sora war
Sora ist ein Text-zu-Video-Modell von OpenAI, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz kurze Videoclips auf Basis von Texteingaben erzeugt und bestehende Videos verlängern kann. Im Februar 2024 zeigte OpenAI erste Beispiele der Technologie öffentlich. Die erste Generation von Sora wurde im Dezember 2024 für ChatGPT-Plus- und ChatGPT-Pro-Nutzer in den USA und Kanada freigegeben.
Die zweite Generation, Sora 2, erschien Ende September 2025 für ausgewählte Nutzer in den USA und Kanada und integrierte soziale Netzwerk-Funktionen in die App. Beim Start erlangte Sora schnell virale Verbreitung. Innerhalb von anderthalb Wochen nach dem Launch wurde die App mehr als eine Million Mal heruntergeladen, schneller als seinerzeit ChatGPT. Zeitweise belegte sie Platz eins der kostenlosen Apps im Apple App Store.
Der Aufstieg und seine Grenzen
Die Nutzerzahlen stiegen rasch, doch die Probleme hielten Schritt. Sora 2 erlaubte standardmäßig die Generierung urheberrechtlich geschützter Inhalte, es sei denn, Rechteinhaber wandten sich aktiv an OpenAI, um ihre Werke auszuschließen. Das führte zu Spannungen mit der Unterhaltungsindustrie. Japans Content Overseas Distribution Association forderte OpenAI auf, die urheberrechtlich geschützten Inhalte seiner Mitgliedsunternehmen, darunter Studio Ghibli und Square Enix, nicht länger zu verwenden.
Hinzu kamen Deepfake-Probleme: Nachlässe verschiedener Prominenter drohten OpenAI mit Klagen wegen der Erstellung täuschend echter Videodarstellungen ihrer verstorbenen Angehörigen, darunter Robin Williams und George Carlin.
Eine Woche nach dem Start von Sora 2 wurden Drittanbieter-Programme verfügbar, mit denen das sichtbare Wasserzeichen der generierten Videos entfernt werden konnte. OpenAI hatte dieses Wasserzeichen als Schutzmechanismus eingeführt, um die missbräuchliche Nutzung zu erschweren.
Der Disney-Deal und sein Ende
Im Dezember 2025 kündigte Walt Disney an, eine Milliarde US-Dollar in OpenAI zu investieren, um Nutzern die Generierung von mehr als 200 lizenzierten Charakteren auf Sora 2 zu ermöglichen. Dazu zählten Figuren aus Disney Animation, Pixar, Marvel Studios und Star Wars. Die Partnerschaft galt als Zeichen dafür, dass auch traditionelle Medienkonzerne bereit waren, sich mit KI-generiertem Content zu arrangieren.
Mit der Abschaltung von Sora zog Disney aus seiner Milliarden-Investitions- und Lizenzvereinbarung mit OpenAI zurück. Ein Disney-Sprecher erklärte, man respektiere die Entscheidung von OpenAI, sich aus dem Geschäft mit der Videogenerierung zurückzuziehen und seine Prioritäten anderweitig zu setzen.
Die Gründe der Entscheidung
OpenAI-CEO Sam Altman teilte Mitarbeitern mit, dass das Ende von Sora Ressourcen für die nächste Generation von KI-Modellen freisetzen soll. Das Unternehmen hat zudem einen bevorstehenden Börsengang geplant und richtet seine Prioritäten entsprechend aus.
OpenAI begründete den Schritt offiziell mit einer veränderten Prioritätensetzung und steigenden Anforderungen an die Rechenleistung. Der verstärkte Fokus auf KI-Agenten (Systeme, die autonom auf Computern arbeiten) dürfte zu den Hauptgründen der Einstellung zählen. In US-Medien war zudem die Rede davon, dass OpenAI den Konkurrenzdruck von Anthropic und Google spüre und sich stärker auf das Unternehmensgeschäft konzentrieren wolle.
Trotz der anfänglichen Spitzenposition in den App-Store-Charts sanken die Downloads im Dezember 2025 um 32 Prozent. Berichten zufolge soll Sora finanziell schon länger unter Druck stehen, da zu wenige Nutzer die kostenpflichtigen Dienste verwendeten.
Was bleibt und was kommt
OpenAI kündigte an, in den kommenden Wochen weitere Informationen bereitzustellen, darunter Abschalttermine sowie Optionen zur Sicherung bestehender Projekte. Nutzer sollen ihre erstellten Inhalte exportieren können.
OpenAI plant, die Sora-Technologie in seine Kernmodelle zu integrieren, was möglicherweise ChatGPT oder Robotik-Simulationen verbessern könnte. Ein eigenständiges Wiederbeleben ist nicht bestätigt, aber die Forschung wird intern fortgesetzt.
Im Markt für KI-generierte Videos hinterlässt Sora eine Lücke, die Mitbewerber bereits zu füllen versuchen. Besonders die Tools Seedance, Kling und Veo werden dabei als Alternativen genannt. Google tritt mit seinem „Flow“-Ökosystem in die Bresche, das das Videomodell Veo 3.1 mit Gemini kombiniert und Workflows für professionelle Produktionsteams ermöglicht.
Das Ende von Sora ist kein Zeichen dafür, dass KI-Video als Technologie gescheitert ist. Es zeigt vielmehr, dass ein Produkt, das schnell wächst und dabei rechtliche, technische und wirtschaftliche Probleme ansammelt, langfristig keine tragfähige Grundlage hat. OpenAI zieht daraus Konsequenzen und richtet den Blick auf andere Felder.