Wer also von ChatGPT-6 Pro spricht, meint dieses neue Modell in seiner Version für Pro-, Business- und Enterprise-Konten. In diesem Beitrag schauen wir uns an, was das Modell anders macht, wie es im Vergleich zu anderen KI-Modellen dasteht, wer in Europa Zugriff bekommt und was die Nutzung kostet.
Was ist neu an GPT-6 Pro?
Der auffälligste Unterschied zu den bisherigen Modellen liegt in der Steuerung von Computern. OpenAI beschreibt Astra als Modell, das Aufgaben am Bildschirm selbstständig erledigen kann: Formulare ausfüllen, in Programmen klicken, mehrere Schritte hintereinander ausführen, ohne dass jeder einzelne Schritt vom Menschen bestätigt werden muss. Laut den eigenen Angaben von OpenAI arbeitet das Modell bei solchen Aufgaben etwa doppelt so schnell wie der Vorgänger GPT-5.6 Sol.
Innerhalb der ChatGPT-Oberfläche zeigt sich das als eigene Option namens GPT-6 Pro. Dahinter steckt das gleiche Modell wie Astra, nur mit einer höheren Rechenintensität pro Antwort, ähnlich wie bei einem Regler für mehr oder weniger Nachdenkzeit. Eine komplett eigene Modellversion mit eigenem technischen Datenblatt gibt es dafür nicht, „Pro“ bezeichnet also eher eine Betriebsart als ein separates Produkt.
Bei Mathematik-Aufgaben und wissenschaftlichen Fragen zeigt das Modell ebenfalls Fortschritte. Auf einem anspruchsvollen Mathematik-Test (FrontierMath Tier 4) erreicht es nach Angaben von OpenAI rund 97,6 Prozent, während der Vorgänger bei etwa 83 Prozent lag. Bei einem Test mit Fragen aus Biologie, Chemie und Physik auf Doktoranden-Niveau (GPQA Diamond) liegt das Modell bei 96,0 Prozent.
Eine Besonderheit betrifft die Sicherheit. OpenAI stuft Astra als erstes eigenes Modell in die höchste Risikokategorie für Cybersicherheit ein. Das bedeutet: Bestimmte Fähigkeiten, etwa das Erkennen und Ausnutzen von Sicherheitslücken, sind zusätzlich abgesichert. In der ChatGPT-Oberfläche kann es deshalb vorkommen, dass eine Aktion angehalten wird und man sie erst manuell bestätigen muss. In der Programmierschnittstelle (API) bricht eine solche Aufgabe dann komplett ab, statt zu pausieren.
Wie schneidet das Modell im Vergleich ab?
Ein einheitliches Bild ergibt sich beim Vergleich mit anderen aktuellen Modellen nicht. In manchen Bereichen liegt GPT-6 Pro vorne, in anderen nicht.
Bei einem Test zum eigenständigen Lösen unbekannter Aufgaben (ARC-AGI-3) erreicht das Modell laut OpenAI 99,9 Prozent, deutlich mehr als Claude Opus 5 mit rund 30 Prozent. Allerdings weist die unabhängige Analyseplattform Artificial Analysis darauf hin, dass dieser Wert mit einer besonderen, aufwendigen Testumgebung von OpenAI selbst gemessen wurde. Bei einer einfacheren, direkten Abfrage über die API fällt der Wert deutlich niedriger aus.
Beim Gesamt-Punktwert der unabhängigen Analyseplattform Artificial Analysis, der mehrere Einzeltests zusammenfasst, liegt GPT-6 Pro mit 61 Punkten nicht an der Spitze. Modelle wie Grok 4.6 und Claude Fable 5.1 liegen davor. Auch beim Test „Humanity’s Last Exam“ mit Werkzeugzugriff bleibt GPT-6 Pro mit 57,2 Prozent hinter Claude Fable 5.1, das dort 65,0 Prozent erreicht.
Bei der Programmierung zeigt sich ein ähnlich gemischtes Bild. OpenAI meldet für einen eigenen Programmier-Test (DeepSWE) einen Wert von 74,1 Prozent. Anthropic gibt für Claude Fable 5.1 bei einem anderen, härteren Test (SWE-bench Pro) einen Wert von 81,2 Prozent an. Da beide Firmen unterschiedliche Tests verwenden, lässt sich daraus kein klarer Sieger ablesen.
Ein Vorteil von GPT-6 Pro zeigt sich beim Ressourcenverbrauch: Das Modell benötigt für vergleichbare Aufgaben nach Angaben von OpenAI rund zehn Prozent weniger Ausgabetext als der Vorgänger. Insgesamt lässt sich festhalten: GPT-6 Pro gehört zur aktuellen Spitzengruppe der KI-Modelle, zusammen mit Claude, Gemini und Grok. Welches Modell für eine bestimmte Aufgabe die besseren Ergebnisse liefert, hängt von der konkreten Anwendung ab.
Verfügbarkeit für deutsche und europäische Nutzer
Der Start erfolgte zunächst nur für ausgewählte Organisationen im sogenannten Daybreak-Programm, das sich an Verteidiger im Bereich Cybersicherheit richtet. Für gewöhnliche Nutzer folgt der Zugriff laut OpenAI „in den kommenden Tagen“.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gilt: Abonnenten mit ChatGPT Plus, Pro, Business oder Enterprise erhalten dieselbe Version wie Nutzer im Rest der Welt. Es gibt also keine gesonderte, eingeschränkte Fassung für den deutschsprachigen Raum. Entwickler können das Modell über die API ansprechen, sobald ihr Konto freigeschaltet ist, und auch über die Cloud-Dienste Microsoft Azure und AWS, sobald die jeweiligen EU-Regionen das Modell anbieten.
Rechtlich fällt das Modell in der EU unter die Regeln für sogenannte KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck und systemischem Risiko, wie sie im europäischen AI Act festgelegt sind. Das bedeutet für OpenAI zusätzliche Pflichten, etwa bei der Bewertung von Risiken und der Meldung schwerwiegender Vorfälle. Für Nutzer ändert sich dadurch im Alltag zunächst wenig, es zeigt aber, dass das Modell unter genauerer behördlicher Beobachtung steht als frühere Versionen.
Ein festes Datum für den Start beim kostenlosen Free-Tarif hat OpenAI bislang nicht genannt.
Was kostet die Nutzung?
Stand: 04.09.2026
Für private Nutzer läuft der Zugang über die bestehenden ChatGPT-Abonnements. In Deutschland liegt der Plus-Tarif bei etwa 23 Euro im Monat inklusive Mehrwertsteuer, der Pro-Tarif bei rund 229 Euro im Monat. Der Business-Tarif richtet sich an Unternehmen und wird pro Nutzerkonto abgerechnet. Innerhalb dieser Tarife ist GPT-6 Pro als Modelloption enthalten, allerdings mit wöchentlichen Nutzungsgrenzen, die sich je nach Tarif unterscheiden. Für den 200-Dollar-Pro-Tarif werden zum Start beispielsweise 200 Anfragen pro Woche genannt.
Für Entwickler, die das Modell über die API in eigene Programme einbauen, wird nach Tokens abgerechnet, also nach Textmenge. Der Preis liegt bei 10 US-Dollar pro Million Tokens für Eingabetext und 50 US-Dollar pro Million Tokens für den vom Modell erzeugten Ausgabetext. Das ist etwa zweieinhalb Mal so teuer wie beim Vorgängermodell GPT-5.6 Sol und liegt in etwa auf dem Niveau von Claude Fable 5.1.
Für wen?
GPT-6 Pro bringt vor allem bei der Steuerung von Computern und bei anspruchsvollen Mathematik- und Wissenschaftsaufgaben Fortschritte gegenüber dem Vorgänger. Bei anderen Aufgaben, etwa bestimmten Programmier- und Recherchetests, liegen einzelne Modelle anderer Anbieter vorn. Für Nutzer in Deutschland und im übrigen deutschsprachigen Raum gilt: Der Zugang erfolgt zeitversetzt, aber ohne inhaltliche Einschränkung gegenüber anderen Regionen, sobald das Modell im eigenen Tarif freigeschaltet ist. Wer die neuen Fähigkeiten testen möchte, sollte dabei einplanen, dass Aktionen mit weitreichenden Berechtigungen aus Sicherheitsgründen zusätzliche Bestätigungsschritte auslösen können.